Ich habe nichts zu verbergen

Gestern fiel eine Vorlesung aus technischen Gründen aus und wir Studenten setzten uns in den Raum vom AStA um die Zeit zu überbrücken. Dabei fiel das Thema auf Überwachung im Allgemeinen; Die FH hatte Studentenausweise eingeführt die eine berührungslose Abbuchung in der Mensa ermöglichen. Von der Tatsache ausgehend daß die Abbuchung auch beim auflegen des kompletten Portemonnaies möglich ist, tippe ich auf RFID-Technik. Halb im Scherz sagte ich, daß ich mir dafür mal eine Alu-Hülle besorgen müsse, einer der Kommilitonen äußerte das es ihm egal sei, er “habe nichts zu verbergen”. :mad: Das ist ja mein “Lieblings”spruch!
Wie sehr mir diese Einstellung auf den Sack geht. Man darf den Leuten dafür um Gottes Willen nicht böse sein, es ist schließlich ihr gutes Recht (denn sie wissen nicht was sie tun). Und es ist so mühselig solchen Leuten dann eine gewisse Datensensitivität einzuimpfen, vor allem im größeren Kreis wird man dabei komisch angeguckt. Man steht echt in der Minderheit dar. :sad:

Noch etwas “Tolles” an den Karten: Man kann damit mit jeglicher EC-Karte Guthaben aufladen – ohne PIN und ohne Unterschrift. Einfach am Automaten in sekundenschnelle. Das nenne ich mal sicherheitstechnologischen Rückschritt!

[tags]FH,Multica,Meinung,Ueberwachung[/tags]


Comments

  1. Marnem says:

    Das Schlimme ist ja nicht, dass die Leute nachplappern, was Schäuble ihnen vorsagt. Das Schlimme ist, die Menschen glauben daran, dass sie nichts zu verbergen haben. Denjenigen möchte ich aber sehen, der all seine Geheimnisse preisgeben müsste. Welche Webseiten, Zeitungen oder Bücher er liest, welche Filme, Sendungen oder Serien er sieht. Wenn er preisgeben müsste mit wem er wann spricht oder schreibt oder was er fotografiert oder welche Musik er hört. Natürlich sind dies als einfache Informationen nichts schlimmes, natürlich interessiert sich der Staat nicht dafür. Führt man all diese Informationen aber zusammen gewinnt man Einblicke in die Persönlichkeit dieses Menschen, die dieser wahrscheinlich nicht preis geben will. Viel schlimmer ist aber noch, dass dieses Persönlichkeitsprofil vermutlich nicht den wirklichen Menschen beschreiben wird und wer will schon, dass falsche Schlüsse aus jemandem gezogen werden?

    Über die eigene Nasenspitze hinaus denken und sich in die Sichtweise eines Fremden hinein zu versetzen ist den meisten Menschen leider immer noch fremd. Nicht umsonst werden sie von der Wirtschaft nur Konsument oder Klickvieh, von den Politikern als Stimmvieh bezeichnet…

  2. Damit triffst du (leider) den Punkt; viele Menschen handeln freiwillig daten-unsicher. Ich denke ja, daß wenn von jedem Deutschen ein komplettes Profil vorliegen würde, eigentlich alle schon mit dem Gesetz in Konflikt gestanden hätten – und sei es die Übertretung einer roten Ampel. Daß erst die gesammelten Informationen einen kritischen akzeptablen Punkt übertreten ist genau das Problem was du angesprochen hast. Leider wird die Preisgebung/Erhebung/Erfassung/Sammlung/Verknüpfung von Daten immer in geringen Dosen erhöht, so daß ein öffentliches Aufbäumen gegen diese überzogen und damit lächerlich erscheint, auch die gesellschaftliche Akzeptanz ist somit groß da das Gesamtbild und zurückliegende Veränderungen stets schnell aus den Augen verloren werden. Steter Tropfen höhlt den Stein, auch so landen wir langsam aber leider in einer Überwachungsgesellschaft.
    Die Ethik läßt meiner Meinung nach bei technologischen Fortschritten im IT-Bereich zu wünschen übrig (um von Waffenentwicklung usw. bzw. anderen Entwicklungsbereichen im Allgemeinen mal zu schweigen…) – es wird nicht bedacht was damit sowohl im Guten als auch im Schlechten angerichtet werden kann bzw. es interessiert im Moment nicht. Ist die Technik mal raus ist der Normalbürger meist der gelackmeierte und darf es auskosten. Siehe Reisepass mit hohen Antragskosten als ein Beispiel.

  3. Starkiller says:

    Vielleicht sollte man mal als Antwort auf die Ihnzv-Typen, einen Antworten-Katalog zusammenstellen (gabs sowas nicht schonmal in irgendeinem Blog?).

    Aber eigentlich finde ich es gar nicht so schwer, 50% der Leute bekommt man schonmal wenn man sie fragt ob sie wirklich wollen das der Staat jederzeit weiss wieviel sie auf dem Konto haben, 20% vielleicht mit “willst du wirklich das man weiss was du alles gekauft hast.” Weitere 10% sind wahrscheinlich so dämlich das sie selbst wenn sie auf einmal im Knast säßen noch sagen würden “die machen das nur zu meinem besten”, und die restlichen 20%, ok die sind wirklich anstregend, da braucht man den ganzen Abend bis die sich mal an den Kopf fassen. Und natürlich ist dies auch nur eine Schätzung und auch nicht 100% erst gemeint.

  4. Albacore says:

    Schönes Blog, zum ersten Mal hier via blog.kairaven.de

    Zum Satz “Ich habe nichts zu verbergen.” Also ich mache das inzwischen so, wenn ich das höre:
    “Dann hast du schlichtweg keine Ahnung oder du bist einfach nur dumm [Anm.: Hier werde ich immer "leicht" aggressiv]. Ich möchte dir mal kurz erklären, was mit einem gut designten Algorithmus alles möglich ist….[Anm.: der Satz ist dann wieder freundlich.]….” Dann kommt die Erklärung von Variablen, Schnittmengen, Korrelationen aus der Psychologie, generell “Je mehr Merkmale, desto genauer das Profil, ….und Profile der gesamten Bevölkerung zu erstellen hat Karlsruhe verboten”. Inklusive texte ich die Leute über Index-Arrays über Datenstrukturen zu (hihi, spätestens da bekommen die Leute dann den “Oh Gott, der hat davon ja richtig Ahnung”-Gesichtsausdruck).

    Danach ist in der Regel Schluss mit “ich habe nichts zu verbergen.” Ihr glaubt gar nicht, wie viele Leute ich zu GnuPG, Tor, JAP bekehrt habe…. :-)
    Ich fürchte StudiVZ dürfte ich auch um ein paar Teilnehmer gebracht haben.
    MfG
    Albacore

  5. Erik says:

    Also… Mit dem Verbergen ist das doch so, dass hier eine Abwägung zwischen dem Aufwand in Sicherheit zu leben und der (doch eher abstrakten) Gefahr eines Auswertungsfehlers stattfindet.
    Auf der einen Seite muss man die Vorteile von Bonuskartenprogramme sausen lassen, muss seinen Browser aufbohren, Software installieren und sich ständig Decknamen ausdenken, wenn Webformulare sowas fragen. Das ist eine Menge Arbeit.
    Ein Auswertungsfehler bedeutet, dass man zum Beispiel verhaftet und ausgefragt wird. Oder man nicht in die USA einreisen darf oder man den Arbeitsplatz nicht bekommt, oder oder oder… Und das sind schon die schlimmen Sachen. Zielgruppengerichteter Spam dürfe viel wahrscheinlicher sein.
    Viele entscheiden sich dann einfach für Möglichkeit a) und ich kann es Ihnen auch eigentlich garnicht so übel nehmen.

  6. Starkiller says:

    Mir ist noch eine Kurzform eingefallen, als Antwort auf alle Ich-habe-nichts-zu-verbergen-Typen:

    Mann1: Ich habe nichts zu verbergen!
    Mann2: Gott, muss dein Leben langweilig sen.

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