Datensicherheit: Teil 4 – Im Internet mit Tor und lokalen Proxies

Tor, Privoxy und Proxomitron im Zusammenspiel.

Bisher redete ich von lokalen Datenschutz-Maßnahmen mittels Truecrypt und PGP. Nun komme ich zum Internet, einer sehr komplexen Materie was Datensicherheit anbelangt. Natürlich erhebe ich auch hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber vielleicht dient es ja dem einen oder anderen als Denkanstoss einmal über den eigenen Umgang mit Daten nachzudenken. Den ultimativen Datenschutz-Guide gibt es ja auch nicht, dafür sind Betriebssystem, eingesetzte Software und Benutzerverhalten auch von mal zu mal zu verschieden – selbst das eigene Verhalten ändert sich schließlich von Zeit zu Zeit.

Aber mal als Anfang behandelt dieser Artikel ungewollte Weitergabe von Daten durch die eigene IP-Adresse. Cookies behandele ich in einem achten Teil der Serie, der über Browser geht – Teil 4 würde sonst zu umfangreich.

IP-Adressen hinterlässt man immer im WWW. Die kann man, im Gegensatz zu Cookies, nicht ausschalten. Wer über TCPIP eine Verbindung aufbaut macht seinem Gegenüber damit automatisch seine IP-Adresse bekannt. Einmal zuvor in einem Formular auf der gleichen Seite die eigene Adresse angegeben und schon ist es für den Webseitenbetreiber ein Leichtes, die IP-Adresse mit diesen Daten zu verknüpfen. Kommt dann noch ein Cookie ins Spiel der über die Browsersession hinaus gespeichert wird, wird es für den Betreiber noch einfacher. Kombiniert man die Methoden zur Bewachung der Benutzerbewegung, wird das Profil natürlich ausgefeilter – auch wenn nicht immer böse Absicht dahinter steckt.

Tor ist nun eine Software die verschlüsselte Verbindungen über drei Server aufbaut (Wikipedia erklärt). Diese drei Server ändern sich oft und man hofft dadurch die IP-Adresse, die ein Server “sieht”, ständig ändern zu können. So ist keine einwandfreie Zuordnung mehr möglich – außer vielleicht über Cookies, PHP-SessionsIDs oder Ähnliches. Ein Server bekommt natürlich stets bloß die IP-Adresse von eben jenem Letzten der drei Server zu sehen.Vidalias Kontextmenü

In Windows integriert wird das ganze recht simpel indem man das Komplettpaket, bestehend aus Vidalia, Privoxy und Tor-Client/Server, herunterlädt und installiert. Vidalia ist die Grafische Benutzeroberfläche für Tor und Privoxy ein zusätzlich installierter Proxy, der die Pakete per SOCKS an Tor weiterreicht, damit auch die Namensauflösung per DNS weniger Spuren hinterlässt. Hierzu ein Zitat aus der Windowsumgebung-Installationsanleitung:

Die Benutzung von Privoxy ist notwendig weil die Browser Ihre DNS Anfragen unverschlüsselt senden wenn Sie einen SOCKS Proxy direkt benutzen. Dies gefährdet Ihre Anonymität. Privoxy entfernt auch verschiedene die Anonymität gefährdende Header aus den Web-Anforderungen und blockiert unbeliebte Schnüffler-Seiten wie Doubleclick.

Mittels der grünen Vidalia-Zwiebel im Systray lässt sich z.B. auch eine neue IP-Adresse anfordern, wie auf dem Screenshot erkennbar.

Meine Konfigurationsdateien von Privoxy habe ich auf der Basis von Kais Anleitung erstellt – die ist so detailliert, daß ich da nichts mehr hinzufügen muß. Tor wird dann als Windows-Dienst installiert. Wer es da ganz sicher will, erstellt für Tor einen eigenen Benutzer unter dem der Dienst dann startet. Alternativ lässt sich Tor natürlich auch als normaler Benutzer starten. Das ist aber nicht so gut, weil es generell gilt den Zugriff für andere Benutzer auf die Tor-Keys zu verweigern.

Wer sich nun fragt woher das Tor-Netzwerk die Bandbreite nimmt, dem sei gesagt daß man mit DSL-Anschluß auch selber schon seinen Beitrag dazu leisten kann. Letzten Endes basiert das Netzwerk also auf der Mitwirkung der Benutzer. Man kann einstellen welche “Exit-Ports” man zur Verfügung stellt, sprich ob man z.B. nur Daten innerhalb Tor weiterleiten möchte, oder ob man auch nichts dagegen hat als Exit-Knoten benutzt zu werden. Der CCC stellt übrigens auch einen eigenen Tor-Server bereit.

Ich habe meine Proxykette aber lokal noch um einen weiteren Proxy, Proxomitron, erweitert. Dieser bietet zusätzliche, interessante Optionen um Header und Seiteninhalte anzupassen. Anfragen von meinem Firefox verlaufen so: Firefox->Proxomitron->Privoxy->Tor. Dabei lassen sich die beiden Proxies jeweils mit zwei Mausklicks auf Proxomitrons Systrayicon für den Bedarf abschalten.

ProxomitronHier mal ein paar der Möglichkeiten in Proxomitron Seiteninhalte anzupassen, Headeränderungen (wie z.B. per Zufall wechselnder User-Agent) haben einen eigenen Konfigurationsdialog ähnlicher Größe. Manchmal sehr interessant finde ich z.B. die Option, sich versteckte Formularfelder anzeigen zu lassen.

Übrigens; natürlich hat Tor manchmal den Nachteil sehr langsam zu sein. Bei den Proxies besteht der Nachteil manchmal darin daß manche Seiten nicht richtig funktionieren – das ist bei meinem Browser in der Regel aber sowieso so, da ich Javascript generell aus habe – und mich stört ein wenig klicken nicht. Außerdem lassen sich natürlich Ausnahmeregelungen sowohl in Privoxy als auch in Proxomitron definieren.

Google is sorry

Bei Tor in Verbindung mit Google gibt es manchmal seltsame Sachen zu sehen. So kommt es z.B. öfter vor, daß Google einem die Arbeit verweigert weil man aus einem IP-Bereich kommt wo wohl Attacken festgestellt wurden. Hier hilft dann der Rechtsklick auf die Zwiebel und die Anforderung einer neuen IP-Adresse

Testseiten:
http://xhaus.com/headers
http://pgl.yoyo.org/http/browserheaders.php


Comments

  1. Starkiller says:

    Von dem Problem der Geschwindigkeit mal abgesehen, wie ist den da die Ausbeute an Seiten die dann noch funktionieren, aus dem Bauch herraus würde ich sagen das die Anzahl der Seiten die alle nötigen Session-Informationen in der URL kodieren eher klein ist, das heißt für mich das eine Seite die nicht nur feste Seiten anzeigt (z.B. Blogs, Wikis) sondern eine Interaktion mit dem User erlaubt (Foren, Webshops oder jede Seite die einen Login erfordert) dann nicht mehr funktioniert, da es keine Möglichkeit mehr gibt festzustelleb ob du der selbe Typ bist der eben den letzten Klick ausgeführt hat.

    Ich zumindest surfe jeden Tag dutzende von Seiten an die dann einfach nicht mehr funktionieren würden und surfen würde dann nicht einfach komplizierter, sondern schlicht und einfach unpraktikabel werden (und wenn ich eh jede Seite die ich benutze zur Whitelist hinzufügen müsste, könnte ich es eh ganz bleiben lassen).

    Ich will nicht die Sinnhaftigkeit von Tor in Frage stellen, aber ich sehe die Stärken des Systems eher darin Surfen für Leute aus Ländern mit Netz-Zensur möglich zu machen, oder für Leute die aufgrund Ihrer Meinung mit (politischer) Verfolgung rechnen müssten.

  2. Pierre says:

    Die “Ausbeute” bei Tor liegt über ca. 90%. Bis auf mangelnde Geschwindigkeit oder Ausschliessung seitens Google habe ich durch Tor alleine keine Probleme! Das Problem ist da eher NoScript, daß ich im Firefox installiert habe – dazu wollte ich in Teil 8 mehr schreiben.
    Bei Seiten wo man sich sowieso einloggt erhält man einen Cookie, der ist aber eher nicht an die IP-Adresse gebunden. Aber das wäre ja sowieso paradox sich irgendwo einzuloggen und dann mit Tor zu surfen… Aber es geht. Bloß, wenn ich online mit Realname shoppen gehe, schalte ich Tor in der Proxykette einfach kurz aus. Während ich “einkaufe” nehme ich auch gerne einen Cookie an – der danach automatisch runterfliegt wenn der Browser geschlossen wird. Ich will Cookies und Co ja nicht generell an den Pranger stellen – aber man sollte vorsichtig damit sein.

    Jetzt auf deine Frage hin habe ich mal Amazon.de und Tierxpert.de getestet. Und beide Seiten überstehen ohne Cookie den IP-Wechsel. Wenn ich mir nun noch mehr Shopping-Seiten aus meinen Bookmarks angucke hätte ich da z.B.:
    Supermagnete.de (die weisen darauf hin daß man Cookies aktivieren möchte) und Conrad.de (funktioniert ohne Cookies und mit IP-Wechsel). Also mir sind, bis auf Google manchmal, keine Seiten bekannt die wegen Tor nicht funktionieren.

  3. Kai Raven says:

    Das mit Google und Tor kann ganz schön penetrant werden :( Statt einer neuen “Tor Schaltung” kann man natürlich auch einfach eine andere Suchmaschine oder noch besser Metasuchmaschine wie Ixquick nehmen, auf die Daten-Speicherung öfters wegen der eh begrenzten Datenspeicherung von 24h hinweist.

  4. Petition: Internet – Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten…

    Kleiner Hinweis auf die Petition Internet – Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten auf der Seite des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestags.
    Ich persönlich habe sie heute morgen unterzeichnet. Kinderpornographie gehört sich …

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Archiv